Gemeinsam für die Wärme der Zukunft: Baudenbach setzt auf genossenschaftliche Nahwärme
In Baudenbach entsteht gemeinschaftlich ein zukunftsfähiges Nahwärmenetz: 25 Abnehmer werden künftig mit erneuerbarer Wärme aus Hackschnitzeln versorgt – von der ersten kommunalen Idee bis zur Umsetzung begleitet von ENERPIPE.
25 Abnehmer, rund zwei Kilometer Wärmenetz und erneuerbare Wärme aus Hackschnitzeln: In Baudenbach entsteht eine gemeinschaftliche Lösung für die Wärmeversorgung des Ortes. ENERPIPE begleitet das Projekt von der Planung bis zur Umsetzung.
Was 2024 mit einer Idee der Gemeinde Baudenbach begann, nimmt inzwischen sichtbar Gestalt an: Im mittelfränkischen Baudenbach entsteht ein neues Nahwärmenetz, das künftig zunächst 25 Abnehmer mit erneuerbarer Wärme versorgen wird. Betrieben wird das Netz von der Wärmenetz Baudenbach UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG mit dem Ziel, die Wärmeversorgung gemeinschaftlich, zukunftsfähig und möglichst kostengünstig zu gestalten.
Dabei geht es den Verantwortlichen um mehr als den Austausch einzelner Heizungen. Von Beginn an stand die Vision im Mittelpunkt, eine gemeinsame Wärmeversorgung für den Ort zu schaffen und damit zahlreiche individuelle Insellösungen zu vermeiden.
Von der kommunalen Idee zur gemeinsamen Wärmeversorgung
Die Ausgangsidee entstand 2024 auf Initiative der Gemeinde Baudenbach. Mehrere kommunale Gebäude wurden noch mit Ölheizungen beziehungsweise älteren Hackschnitzelheizungen versorgt. Daraus entstand zunächst der Gedanke, die Gebäude über eine gemeinsame Heizungsanlage zu versorgen und gleichzeitig auch Anliegern die Möglichkeit zu geben, sich an das Wärmenetz anzuschließen.
Da die Gemeinde selbst nicht als Betreiber eines Wärmenetzes auftreten wollte, wurde ein gemeinschaftliches Betreibermodell entwickelt. Ziel war eine Gesellschaft, in der die Anschlussnehmer gemeinsam das Wärmenetz errichten und betreiben, möglichst kostengünstig und ohne Gewinnerzielungsabsicht.
Im Laufe des Jahres 2024 folgten Informationsveranstaltungen und die konkrete Vorbereitung des Projekts. Im Dezember 2024 wurde schließlich die Wärmenetz Baudenbach UG (haftungsbeschränkt) & Co. KG gegründet.
Damit war die organisatorische Grundlage geschaffen. Jetzt wurden Heizhaus, Lagerhalle, Trassenführung und technische Anlagen mit dem ENERPIPE-Team detailliert geplant. Auch bei der Antragstellung für die Bundesförderung für effiziente Wärmenetze wurde die Genossenschaft von ENERPIPE unterstützt.
Nach einer längeren Bearbeitungsphase und notwendigen Anpassungen aufgrund geänderter Förderrichtlinien lag im April 2026 schließlich der Zuwendungsbescheid vor. Mit der Gesellschafterversammlung am 12. Mai 2026 fiel der Startschuss für die Bauphase.
Erneuerbare Wärme aus Hackschnitzeln
Die Wärme für das neue Netz wird in einer zentralen Heizzentrale mit Hackschnitzeln erzeugt. Rund 1,5 Millionen Kilowattstunden Wärme pro Jahr sollen künftig bereitgestellt werden.
Zunächst werden 25 Abnehmer angeschlossen, darunter sechs kommunale Gebäude. Damit verbindet das Projekt private und öffentliche Wärmeabnehmer und schafft eine gemeinsame Infrastruktur für den Ort.
Die Wärme wird über ein insgesamt rund zwei Kilometer langes Wärmenetz verteilt. Davon entfallen etwa 1.165 Meter auf die Hauptleitungen und weitere 756 Meter auf die Hausanschlussleitungen.
Für die Wärmeverteilung kommt das Rohrsystem FibreFLEX PLUS zum Einsatz. Die Übergabe der Wärme erfolgt über dezentrale Pufferspeicher in den angeschlossenen Gebäuden – alle Komponenten werden von ENERPIPE geliefert.
Wenn der Untergrund zur Herausforderung wird
Ein besonderes Kapitel des Projekts spielt sich unter der Erde ab. Im Bereich zwischen Friedhof und Rathaus ist der Untergrund von felsigem Gelände und Sandstein geprägt. Mit Bodenklasse 7 stellte dieser Bereich die eingesetzte Spülbohrtechnik vor besondere Herausforderungen.
Mitte Juli 2026 begann der Leitungsbau mit den ersten Spülbohrungen. Bereits die erste Hauptleitung konnte trotz des anspruchsvollen Untergrunds erfolgreich über eine Länge von 80 Metern eingezogen werden. Weitere Bohrungen folgten.
Besonders anspruchsvoll war die Verbindung vom Rathaushof in den Hof eines vermieteten Gemeindeanwesens. Die Leitung musste zunächst rund sechs Meter tief unter dem Keller des Rathauses und bestehenden Kanälen in der Staatsstraße hindurchgeführt werden. Auf der anderen Seite warteten weitere Hindernisse: ein massives Betonfundament sowie mehrere nicht dokumentierte Kanäle.
Eine klassische offene Bauweise wäre hier nur schwer beziehungsweise mit erheblichen Eingriffen in die vorhandene Infrastruktur möglich gewesen. Die Spülbohrtechnik ermöglichte es, die anspruchsvollen Bereiche unterirdisch zu queren.
Nach anfänglichen Herausforderungen konnten auch die weiteren Bohrungen erfolgreich umgesetzt und die Leitungen eingezogen werden.
Gemeinschaft braucht Zeit und einen gemeinsamen Willen
Die technische Umsetzung ist allerdings nur eine Seite des Projekts. Eine mindestens ebenso große Herausforderung bestand darin, die Menschen vor Ort für die gemeinsame Lösung zu gewinnen.
Denn ein Nahwärmenetz funktioniert nur, wenn ausreichend Anschlussnehmer von der Idee überzeugt sind und bereit sind, gemeinsam in die Infrastruktur zu investieren. Genau hier lag eine der zentralen Aufgaben der Projektinitiatoren.
„Statt vieler einzelner Insellösungen sollte eine gemeinschaftliche Lösung für die Wärmeversorgung entstehen,“ erklärt Stephanie Fiehl vom ENERPIPE-Team.
Dieser Gedanke prägt das Projekt bis heute. Die Genossenschaft arbeitet nicht gewinnorientiert, sondern versteht sich als Gemeinschaft. Ziel ist es, am Ende allen Beteiligten eine möglichst günstige und gleichzeitig langfristig zukunftsfähige Wärmeversorgung zu ermöglichen.
ENERPIPE als Partner an der Seite der Genossenschaft
Auf dem Weg von der ersten Idee bis zur Umsetzung konnte die Wärmenetz Baudenbach UG & Co. KG auf erfahrene Partner zurückgreifen.
Der Kontakt zu ENERPIPE entstand über die Firma Körner, die bereits mehrere Projekte erfolgreich mit ENERPIPE umgesetzt hatte. Sven Summ begleitete die Genossenschaft von Beginn an und brachte dabei seine Erfahrungen aus bereits realisierten Wärmenetzprojekten ein.
Für ENERPIPE ist Baudenbach ein gutes Beispiel dafür, wie eine Wärmewende im ländlichen Raum funktionieren kann: mit einer engagierten Gemeinschaft vor Ort, einem passenden Betreibermodell und einem erfahrenen Partner, der Planung, Technik und Umsetzung zusammenführt.
Ein Netz, das mitwächst
Mit der Fertigstellung der ersten Ausbaustufe soll die Entwicklung in Baudenbach nicht abgeschlossen sein. Die Heizzentrale und das Versorgungsnetz wurden bereits mit Blick auf zukünftige Erweiterungen ausgelegt.
Damit zeigt Baudenbach schon heute, wohin die Reise gehen kann: Das Wärmenetz wächst mit dem Bedarf und mit der Bereitschaft der Menschen, ihre Wärmeversorgung gemeinsam zu gestalten.
Baudenbach zeigt: Wärmewende ist Gemeinschaftsaufgabe
Das Nahwärmenetz in Baudenbach verbindet regionale erneuerbare Energie, moderne Netztechnik und ein besonderes Betreibermodell. Vor allem aber zeigt das Projekt, dass die Wärmewende im ländlichen Raum dann besonders erfolgreich sein kann, wenn sie von den Menschen vor Ort getragen wird.
Aus einer kommunalen Idee wurde eine gemeinsame Vision. Aus der Vision entsteht nun Schritt für Schritt eine funktionierende Wärmeinfrastruktur.
Baudenbach heizt gemeinsam und schafft damit eine Grundlage für eine nachhaltige Wärmeversorgung, die auch für zukünftige Generationen Bestand haben soll.
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